Probiotika bestehen aus lebenden Mikroorganismen. Um eine gesundheitsförderliche Wirkung zu erlangen werden sie in hoher Dosis benötigt. Dies kann unter Umständen im Körper Reaktionen auslösen.

Nebenwirkungen können z.B. in Form von Bauchschmerzen, Durchfall, etc. auftreten. In diesem Artikel findest du objektive Antworten auf die häufigsten Fragen zu Probiotika und Nebenwirkungen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Jeder Bakterienstamm hat unterschiedliche Wirkungen. Diese können, je nach Gesundheitszustand, auch zu Nebenwirkungen führen.
  • Unterscheide zwischen unerwünschten Nebenwirkungen und einer Heilung bedingter Erstverschlimmerung.
  • Die häufigsten Nebenwirkungen sind Blähungen, Durchfall oder Verstopfung. Wenn diese jedoch nicht nach einigen Tagen abklingen setze das Präparat ab (Gefahr einer Dünndarmfehlbesiedlung). Schwere Nebenwirkungen treten jedoch selten auf.

Was sind häufige Probiotika Nebenwirkungen?

Wenn du z.B. nach Einnahme von Antibiotika deine Darmschleimhaut aufbauen willst dann kannst du mit dem richtigen Probiotikum dein Darmmilieu gezielt verbessern.

Durch die Einnahme von Probiotikum, kann unter anderem die Darmschleimhaut geschützt und aufgebaut werden. (Bildquelle: pixabay.com / derneuemann)

Bei einer Überdosierung, oder einem Präparat deren Bakterien nicht für dich geeignet sind kann es zu verschiedenen Nebenwirkungen kommen.

Hier findest du eine Übersicht der häufigsten Nebenwirkungen die in Verbindung mit Probiotika auftreten können:

Nebenwirkungen Symptome/Auswirkungen
Fehlbesiedlungen des Darms durch Überdosierung, es bilden sich Gase und Laktat im Dünndarm. Die Beschwerden entstehen weil sich zu viele Milchsäurebakterien im Dünndarm aufhalten. Starke Blähungen, Durchfall, Verwirrtheit, Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, psychiatrische Symptome, Übelkeit
Verstopfung bei eingeschränkter Darmperistaltik (-bewegung), die probiotischen Bakterien wandern zu langsam in den Dickdarm. z.B. im Zusammenhang mit Medikamenten bei Diabetes, Antidepressiva, Parkinsonmedikamente, Entwässerungsmedikamente (Diuretika).
Förderung von Resistenzen, z.B. gegen manche Antibiotika. Einige probiotische Keime nehmen Resistenzgene auf und reichen sie an Krankheitserreger weiter. Manche Antibiotika wirken nicht mehr.

Eine Dünndarmfehlbesiedlung hat in vielen Fällen schon vor Einnahme von Probiotika stattgefunden. Wenn du eines oder mehrere Symptome bei dir entdeckst solltest du das ärztlich abklären lassen.

Möglicherweise leidest du unter einer Unverträglichkeit auf bestimmte Lebensmittel oder es besteht eine Allergie. Dies gilt insbesondere wenn die Beschwerden direkt nach Mahlzeiten auftreten.

So kannst du Nebenwirkungen von Probiotika abmildern, bzw. verhindern:

  • Verstopfung lässt sich z.B. mit ballaststoffreicher Ernährung entgegenwirken.
  • Beginne mit niedrig dosierten Probiotika, z.B. Pulver oder Flüssig-Probiotika die sich einfach abmessen lassen.
  • Starte mit einer niedrigeren Dosierung als vom Hersteller empfohlen und erhöhe die Dosis langsam.
  • Probiere gleichzeitig mit Heilerde oder anderer Mineralerde gegen Durchfall vorzubeugen.
  • Nehme Probiotika am besten kurz vor dem Essen oder zwei Stunden danach.

Können Probiotika auch schaden?

Der Dünndarm sollte nur von wenigen Milchsäurebakterien besiedelt sein. Im Dickdarm hingegen verursachen die Lactobacillen keine Beschwerden. Die Folgen einer krankhaften Dünndarmfehlbesiedelung durch zu viele Milchsäurebakterien (in Form von Probiotika) wurden in einer Studie untersucht. Dr. Rao, Neurogastroenterologe aus Georgia/USA, stellte folgendes fest:

Problematik Auswirkungen Erklärung/Ergebnis
Dr. Rao untersuchte 30 Patienten mit Magen-Darm Beschwerden und kognitiven Störungen (z. B. Verwirrtheit) nach Einnahme von großen Mengen Probiotika. Symptome wie starke Blähungen, große Verwirrtheit und Konzentrationsstörungen. Probiotika kann bei übermäßigem Gebrauch zu einer Dünndarmfehlbesiedlung führen. Diese Häufung im Dünndarm verführt die Bakterien zu einer Art “Fressrausch” dadurch entstehen große Mengen an Wasserstoff und Methan was zu großen Beschwerden führen kann.
Patienten mit kognitiver Problematik: 68 % hatten zu viele Bakterien im Dünndarm, 77 % hatten im Blut zu hohe D-Milchsäurewerte, Patienten ohne kognitive Problematik: 28 % hatten zu viele Bakterien im Dünndarm, 25 % hatten im Blut zu hohe D-Milchsäurewerte. D- Milchsäure entsteht, wenn Lactobazillen Zucker aus der Nahrung fermentieren. D-Milchsäure kann über die Darmwand ins Blut bis ins Gehirn wandern. Dort wirkt sie negativ auf die Nervenzellen. Die Fehlbesiedlung führte zu Problemen (gastrointestinal und kognitiv). Das konnte in der Studie belegt werden. Nach Absetzung der Probiotika und einer zusätzlich antibiotischen Behandlung verbesserten sich die Symptome rapid bei 70 % verbesserten sich die Magen-Darm Problematik bei 85 % verschwand die Verwirrtheit komplett.

Ergebnis der Studie von Dr. Rao und Team:

  1. Probiotika kann in manchen Situationen hilfreich sein (z.B. nach einer Antibiotikakur).
  2. Sie warnen jedoch vor unkontrollierter und zu hoher Einnahme von Probiotika.
  3. Rao und sein Team empfehlen Probiotika als Arzneimittel zu betrachten statt als Nahrungsergänzungsmittel.
  4. Sie mahnen bessere ärztliche Auskunft und Beratung an.

Gibt es bei Probiotika eine Erstverschlimmerung beim Start?

In einigen Fällen kann es nach Einnahme von Probiotika zu einer Erstverschlimmerung der Symptome kommen. Das können bekannte Krankheitsanzeichen sein die sich kurzzeitig verstärken. Es können jedoch auch neue Symptome erstmalig auftreten.

Das bedeutet dass dein Organismus auf das Probiotikum reagiert. Das ist im Grunde eine gewünschte Reaktion. In der Naturheilkunde geht man davon aus daß dadurch ein Heilungsprozess in Gang gesetzt wird.

Es werden unterschiedliche Ursachen für eine Erstverschlimmerung vermutet. Die meisten Wissenschaftler gehen davon aus, daß es mit Abfallprodukten zu tun hat die durch die Einnahme von Probiotika entstehen.

Durch die Besiedlung des Darms mit probiotischen Bakterien entstehen Abfallprodukte und Gase. Diese können für typische Beschwerden (Blähungen, etc.) verantwortlich sein. Diese Symptome sollten jedoch nach wenigen Tagen abklingen und verschwinden.

Du solltest prüfen ob es sich um unerwünschte Nebenwirkungen oder eine kurzzeitige Erstverschlimmerung handelt. Das machst du indem du z.B. beobachtest und aufschreibst, wann die Beschwerden auftauchen, wie lange sie anhalten und durch was sie ausgelöst, bzw. verstärkt werden. Treten z.B. Verwirrtheitszustände oder starke Übelkeit auf setzte das Produkt sofort ab und ziehe deinen Arzt zu Rate.

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{eng below} Endlich, es ist Frühlingsanfang 🍃 Zur Feier des Tages gibt es leckeren, probiotischen Wasserkefir, der auf Zuckermelone & Thymian trifft. Ein bisschen zerstoßenes Eis, ein paar Zweige Thymian und Minze zur Deko und schon kann ich den Frühling willkommen heißen!☀️ Und Du so? Wie feierst Du den Frühlingsanfang? Das Rezept zum Bild findest Du auf dem zweiten Foto🤘 🍃 🍃 Finally, it's spring 🍃 To celebrate the day, I made some delicious, probiotic water kefir, with sugar melon and thyme. A bit of crushed ice, a few branches of thyme and mint for decoration☀️ And you? How do you celebrate the beginning of spring? The recipe for the picture can be found on the second photo. : : : #healthyfood#veganworldshare#vegano#plantstrong#darmgesundheit#letscookvegan#vegan#letscookvegan#cleaneating#healthygut#auchderdarmhateingehirn#darmgesundheit#wasserkefir#fairment#gesundessenistganzeinfach#vegetarischerezepte#probiotika#gesunderezepte

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Sind Probiotika trotz Nebenwirkungen gesund?

Probiotika haben viele positive Auswirkungen auf die Gesundheit. Aber wenn du die angeblich “guten” Bakterien in einer falschen Menge oder falschen Zusammensetzung zu dir nimmst kann es teilweise zu schweren Nebenwirkungen kommen.

Probiotika sind für Menschen die den für sie geeigneten Bakterien Mix erhalten “gesund”. Für andere eignet sich der gleiche Mix nicht. Das ist abhängig vom individuellen Darmmilieu. Eine Möglichkeit herauszufinden ob die Bakterien für dich gesund sind wäre z.B. mittels einer “Stuhlprobe”.

Wenn du die Veröffentlichungen zu Probiotika vergleichst wirst du einen Trend feststellen. Ein Großteil der Wissenschaftler vertritt die Ansicht das die Vorteile von probiotischen Mikroorganismen die Nachteile überwiegen. Allerdings sind sie mehrheitlich der Meinung, dass die Einnahme als Medikament gesehen werden sollte und nicht als Nahrungsergänzungsmittel.

Gibt es wirklich gesunde Bakterien?

Es gibt etliche Bakterien die nützlich sind für unsere Gesundheit. Hierzu gehören im wesentlichen der Stamm der Milchsäurebakterien (Laktobakterien). Diese probiotische Bakterien können über Nahrung oder auch über ein Präparat dem Organismus zugeführt werden.

Milchsäurebakterien gehören zu den nützlichen Bakterien. (Bildquelle: pixabay.com / silviarita)

Eine der Hauptaufgaben der Milchsäure ist die Unterstützung und Regulierung der Verdauung. Hierbei kommt es insbesondere auf die Vielfalt der Bakterien an – also nicht allein auf die Menge. Je vielfältiger desto besser das Darmklima.

Zu den bekanntesten und am besten erforschten gehören folgende Lactobakterien-Stämme:

  • Lactobacillus reuteri
  • Lactobacillus helveticus
  • Lactobacillus rhamnosus
  • Lactobacillus casei
  • und weitere

Beispiel:

Laktobakterien-Stämme Eigenschaften
Lactobacillus reuteri Gut für die Zahngesundheit, schützt vor Zahnfleischentzündungen und Zahnbelag, reduziert Allergierisiko bei Säuglingen
Lactobacillus helveticus Schützt den Darm u.a. vor EHEC Erregern, verhindert Pilzinfektionen z.B. Scheidenpilz, erhöht Knochendichte

Auch wenn es bei Fehl- oder Überdosierungen zu Nebenwirkungen kommen kann verdienen die Laktobakterien einen vorderen Platz im Ranking der guten Bakterien. Du solltest wissen, auch bei einer Laktoseintoleranz kannst du i.d.R. diese Bakterien zu dir nehmen.

Sie enthalten keine Laktose obwohl der Name anderes signalisiert. Sie bilden lediglich Milchsäure bei der Verstoffwechslung von Kohlenhydrate. Dies macht i.d.R. keine Probleme.

Können Probiotika krank machen?

Ob die zugeführten Keime von deinem Darm aufgenommen werden entscheidet u.a. die vorhandene Darmbesiedelung. Welche Keime nützlich und wirksam sind und welche krank machen hängt von dem bereits vorhanden Keimstamm ab. Aber auch von etlichen anderen Ursachen.

Zum Beispiel können Probiotika krank machen, wenn:

  • Eine Überdosierung stattfindet.
  • Es zu einer Fehlbesiedlung des Dünndarms durch zugeführte und nicht verträgliche probiotischen Mikroorganismen kommt.
  • Es zu einer Übersäuerung des Darm durch zuviel Milchsäurebakterien kommt.
  • Ein zu kurzer Dünndarm, z.B. durch eine operative Verkürzung aufgrund einer Morbus-Crohn-Erkrankung vorliegt .

Welche Alternativen gibt es zu Probiotika?

Statt Probiotika mit Hilfe von Kapseln, Pulver, etc. zuzuführen gibt es auch die Möglichkeit probiotische Lebensmittel und Getränke zu sich zu nehmen. Alles was wir konsumieren wird von unserem Darm verarbeitet.

Somit können wir unsere Darmflora durch Essen und Trinken positiv beeinflussen. Die besten Alternativen haben wir für dich zusammengestellt:

  • Wasserunlösliche Ballaststoffe fördern die Verdauung (z. B. Vollkornprodukte, Kleie, Orangen).
  • Wasserlösliche Ballaststoffe sorgen u.a. für ein gesundes Darmmilieu, einen guten Stoffwechsel und ein gutes Immunsystem. Sie sind enthalten z.B. in Apfelschalen (Pektin) oder als Inulin z.B. in Chicoree, Artischocken, Topinambur, Leinsamen.
  • Milchsauer vergorene Lebensmittel wie Sauerkraut, Kefir, Joghurt, Buttermilch enthalten “gute” Milchsäurebakterien.
  • Ausreichend trinken. Mindestens 1,5 Liter pro Tag in Form von Wasser oder ungesüßten Tees (Früchte, Kräuter). Süße Softgetränke vermeiden (Cola, Säfte,etc.).

Trivia: Wissenswertes und Fakten rund um Probiotika und deren Nebenwirkungen

Probiotika kann viele Krankheiten lindern und gegen einige vorbeugen. Aber es gibt auch immer wieder unerwünschte Nebenwirkungen. Fälle wie Verwirrtheitszustände etc. haben große mediale Aufmerksamkeit erhalten.

Umso wichtiger ist die richtige Auswahl des Probiotikums genauso wie die korrekte Dosierung. Damit können die meisten Nebenwirkungen vermieden werden. Höre im Zweifel immer auf deinen Arzt.

Wo sind die meisten Milchsäurebakterien drin?

Milchsäurebakterien wandeln Laktose (Milchzucker) in Milchsäure um. Diese kommen natürlicherweise in unserem Darm vor. Sie können auch durch Lebensmittel zugeführt werden.

Einen hohen Anteil an Milchsäurebakterien findest du in folgenden Lebensmitteln:

  • Joghurt
  • Kefir (Getränk aus Milch und Pilz)
  • Kombucha (z.B. fermentierter schwarzer Tee)
  • Sauerkraut (frisch zubereitet)
  • Gurken in Salzlake fermentiert
  • Rohmilchkäse
  • Rohwurst (z.B. polnische Rohwurst)

Wo liegt der Unterschied zwischen Probiotika und Präbiotika?

Im Unterschied zu Probiotika handelt es sich bei Präbiotika nicht um lebende Mikroorganismen. Präbiotika sind unverdauliche Pflanzenfasern. Sie sorgen dafür das die guten Bakterien genug Futter erhalten und sich vermehren können.

Probiotika Präbiotika
Enthalten lebende Bakterien, verdrängen krankmachende Keime, stärken die Darmflora und schützen vor Krankheiten. Ernähren die z.B. zugeführten probiotischen Darmbakterien, helfen dadurch die nützlichen Bakterien zu stärken, wirken sich durch Umwandlung positiv auf das Darmmilieu aus.

Bei Synbiotika handelt es sich um eine Kombination von präbiotischen Substanzen und probiotischen Bakterien.

Fazit

Zur Darmgesundheit und Probiotika gibt es aktuell etliche Studien und wissenschaftliche Untersuchungen. Darin werden Nutzen und Risiken abgewogen. Die meisten Wissenschaftler kommen zu dem Ergebnis das der Nutzen bei richtiger Einnahme und dem für dich richtigen Präparat insgesamt stark überwiegt.

Dabei steht aktuell nicht nur die Darmgesundheit im Fokus. Auch die Auswirkungen auf den gesamten Organismus (z.B. auch Mundgesundheit) sind zur Zeit Gegenstand der Forschung.

Weiterführende Literatur: Quellen und interessante Links

[1] https://nwzg.de/probiotika-praktische-anwendung

[2] https://www.pharmazeutische-zeitung.de/2018-08/darmbesiedlung-probiotika-haben-nebenwirkungen

[3] https://www.aerzteblatt.de/archiv/45953/Probiotika-Praebiotika-und-Synbiotika-Stellenwert-in-Klinik-und-Praxis

[4] https://www.focus.de/gesundheit/ernaehrung/probiotika-doch-nicht-gesund-forscher-kratzen-am-guten-ruf_id_9384262.html

[5] https://reizdarm.one/erkrankungen/darmflora-mikrobiom-und-reizdarm

[6] https://www.dgmim.de/index.php?id=229

Titelbild: pixabay.com / derneuemann

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