Gezieltes und diszipliniertes Training reicht für den Muskelaufbau manchmal nicht aus. Sportler nehmen ergänzend zu ihrer Nahrung oft Vitamine oder Präparate zu sich. Eines davon ist L-Arginin, eine Aminosäure. L-Arginin, wie auch Kreatin, wird prinzipiell in Form von Pulver oder Kapseln angeboten.

Außerdem sind L-Arginin-Präparate in verschiedenen Dosierungen erhältlich und mit weiteren wirkungssteigernden Zusätzen versehen. Diese sollen die Wirkung verbessern und eine Anwendung ohne Nebenwirkungen ermöglichen. Doch die mit dem Nobelpreis prämierte Aminosäure hat noch viel mehr drauf, als nur Pump-Pusher zu sein.

Das ist L-Arginin: Die Aminosäure im Kurzporträt

L-Arginin ist eine proteinogene, semi-essentielle Aminosäure. Sie wird vom Körper selbst produziert, die Produktion reicht jedoch nicht aus, um den körperlichen Bedarf zu decken. Aus diesem Grund ist es wichtig eine gewisse Menge L-Arginin durch bestimmte Lebensmittel zu sich zu nehmen.

Enthalten ist L-Arginin zum Beispiel in Erbsen, Reis oder Lachs. Es ist also relativ einfach seinen Ernährungsplan so auszurichten, dass der Bedarf von L-Arginin ausreichend gedeckt wird.

Zu den semi-essentiellen Aminosäuren gehören neben Arginin noch Asparagin, Cystein, Glutamin, Glycin, Prolin und Tyrosin.

Was genau macht L-Arginin im Körper?

Kurz gesagt trägt es dazu bei, gefährliche Mikroorganismen und Zellwucherungen vorzubeugen. Außerdem werden aus L-Arginin Enzyme (Proteine) und Neurotransmitter gebildet, sowie Körpergewebe wie Haut, Haare und Muskeln.

Genau wie die Aminosäuren Lysin und Histidin gehört L-Arginin zur Gruppe der basischen Aminosäuren. Diese zeichnen sich auf chemischer Ebene dadurch aus, dass sie eine basische Gruppe besitzen, die im Neutralbereich immer positiv geladen ist. Außerdem sind sie gut in Wasser löslich und reagieren alkalisch.

Aminosäuren

L-Arginin ist eine von vielen Aminosäuren. Sie wird vom Körper selbst produziert. Diese Übersicht zeigt die genetischen Codierungen aller Aminosäuren. (Foto: OpenClipart-Vectors / pixabay.com)

Im Jahre 1998 erhielten die Wissenschaftler Robert F. Furchgott, Louis Ignarro und Ferid Murad den Nobelpreis, weil sie den Zusammenhang zwischen L-Arginin und Stickstoffmonoxid (NO) aufzeigen konnten. L-Arginin ist die alleinige Vorstufe von NO, das im Körper die Funktion eines wichtigen Botenstoffs übernimmt.

Durch NO-Synthase entsteht aus L-Arginin der sogenannte EDRF-Factor. EDRF führt physiologisch zu einer Gefäßerweiterung, indem das NO in die Muskelschicht der Gefäße gelangt. Es aktiviert dort die lösliche Guanylatcyclase (ein Enzym) und führt so zur Erschlaffung der glatten Muskulatur und zum Nachlassen des Gefäßspannung.

Die reinigende Wirkung von L-Arginin aufs Blut und die Gefäße

Bluthochdruck und Herz-Kreislaufbeschwerden sind in unserer modernen Gesellschaft, die immer schneller und gehetzter wird, fast schon zur Volkskrankheit geworden.

Nicht selten wirst du von deinem Arzt zu hören bekommen, dass L-Arginin den lebensgefährlichen Symptomen Abhilfe schaffen kann. Dies hat mit dem bereits erwähnten Stickstoffmonoxid zu tun.

In den Gefäßinnenzellen der Blutgefäße wird NO freigesetzt, um die Weitung beziehungsweise Verengung der Gefäße zu steuern. Ein gestörter L-Arginin-NO-Stoffwechsel führt als früher oder später zu Gefäßkrankheiten. Am häufigsten kommt es zu einer Arteriosklerose, einer Arterienverkalkung.

An Gefäßen entstehen durch einen gestörten Fettstoffwechsel, Diabetes oder einer ungesunden Ernährung kombiniert mit Nikotinkonsum. Wenn den Ablagerungen nicht entgegengewirkt wird, kann es zu schwerwiegenden Gefäßverengungen oder sogar Blutgerinnseln kommen.

Der Deutsche Herzbericht 2016 zeigt: Jährlich sterben circa 338.000 Menschen an Herz- und Kreislaufkrankheiten.

Da die Arterioskelerose vorwiegend die Verkalkung des Schlagadergefäßsystems beschreibt, steigt in Folge einer ausbleibenden Diagnose oder fehlerhaften Behandlung das Herzinfakt- und Schlaganfallrisiko immens.

Professor Dr. Horst Robener, Experte für Arterioskelerose und Gefäßerkrankungen, rät in einem Interview mit dem PTA-Forum schon präventiv L-Arginin-Präparate zu sich zu nehmen, um Herz- und Kreislauferkrankungen vorzubeugen:

Vermutlich sind es noch viel mehr, denn die Hälfte aller Deutschen stirbt an Herz-Kreislauferkrankungen. […] Ich persönlich empfehle L-Arginin-Präperate auch Gesunden ab dem mittleren Alter, die vorbeugen möchten. Sie sollten jedoch nicht irgendein Mittel kaufen, sondern ein qualitativ hochwertiges Präparat in der Apotheke, am besten die Kombination aus L-Arginin plus Folsäure sowie Vitamin B6 und B12.[

Die B-Vitamine senken in Kombination mit dem L-Arginin den Homocystein-Spiegel in unserem Blut. Homocystein ist ein vom Körper beim Eiweißstoffwechsel gebildeter Stoff. In hoher Konzentration kann er die Blutbahnen ähnlich wie Cholesterin verstopfen.

Gegen den Zucker: L-Arginin und die Wirkung bei Diabetes

Eine weitere Volkskrankheit der die Einnahme von L-Arginin entgegenwirken kann, ist Diabetes oder wie man im Volksmund sagt, die Zuckerkrankheit. In den letzten drei Jahrzehnten hat sich die Zahl der Erkrankten drastisch erhöht.

Das zeigt auch der Diabetes-Bericht für das Jahr 2017. Die Zahlen sind alarmierend: Schätzungsweise 6,7 Millionen Deutsche erkrankten im vergangenen Jahr an Diabetes.

Für Pflege, Arbeitsunfähigkeit und Behandlung entstanden Kosten von 35 Milliarden Euro. L-Arginin kann gemeinsam mit anderen Aminosäuren der Zuckererkrankung auf vielerlei Wegen Linderung verschaffen.

Die Wirkungsweise des Arginins hat wieder mit dem Zusammenhang zum Stickstoffmonoxid zu tun. Bei der Aufnahme von Insulin spielt das NO nämlich eine sehr wichtige Rolle. Diverse Studien belegen, dass die Einnahme von L-Arginin den Blutzucker erkennbar senken kann.

Studie 1: Mäuse-Studie

Computerbild Blutkörperchen

Deinen Blutbahnen tut L-Arginin gut. Es wirkt gefäßerweiternd und reinigend. (Foto: qimono / pixabay.com)

In einer Untersuchung der Universität Kopenhagen wurden schlanke und übergewichtige Mäuse einem Insulinwert-Test unterzogen. Bei Diabetes wird aufgrund eines Insulinmangels oder einer Insulinresistenz der Glucoseabbau im Blut verhindert und der Zuckerspiegel steigt an.

Die dänischen Forscher fanden genau an dieser Problematik die Lösung in der Verabreichung von Arginin, das sowohl bei schlanken als auch bei übergewichtigen Mäusen die Insulinsensibilität verbesserte.

Darüber hinaus fand das Forscherteam heraus, dass Arginin die Produktion des körpereigenen Hormons GLP-1 steigert. Es spielt eine große Rolle bei der Appetitanregung. Der Zusammenhang zum Arginin konnte herausgefunden werden, da die Mäuse ohne GLP-1-Rezeptoren anders auf die Verabreichung von Arginin reagierten.

Studie 2: Placebo-Studie

Eine Studie einiger europäischer Forscher bewies den Zusammenhang von L-Arginin und Insulin in einer Gruppen-Studie an Menschen.

Sechs Diabetes-Erkrankte wurden in zwei Dreier-Gruppen aufgeteilt. Beide Gruppen erhielten eine Diabetes-Diät, doch nur einer Gruppe wurden nahrungsergänzend Arginin-Präparate verabreicht. Die andere erhielt nur Placebos.

Das überraschende Ergebnis: Die Patienten, die einen Monat lang Arginin zu sich nahmen, konnten ihre Insulinempfindlichkeit um 30%-Prozent erhöhen. Darüber hinaus sank ihr Blutdruck.

L-Arginin als natürliche Alternative zu Viagra

Ein weiterer Wirkungsbereich von L-Arginin findet sich in der Sexualität. Männer mit Erektionsstörungen oder Erektiler Dysfunktion können von der Aminosäure profitieren. Viele Urologen und Andrologen sind sich einig, dass L-Arginin in hoher Dosierung den Erektionsproblemen bei Männern entgegenwirken kann.

Dies liegt vor allem an der gefäßerweiternden Wirkung, wodurch mehr Blut fließen kann. Häufig wird L-Arginin bei Erektionsstörungen mit PDE5-Hemmern kombiniert. Diese sind ebenfalls an der Produktion von Stickstoffmonoxid beteiligt.

Da bei den Hemmern jedoch mehr Nebenwirkungen, wie beispielsweise auffällige Gesichtsröte (Flush) auftreten, wird die Einnahme von L-Arginin meist dazu genutzt, um die PDE5-Dosierung zu reduzieren und trotzdem einen positiven medizinischen Effekt zu erzielen.

Turtelndes Pärchen

Die Einnahme von L-Arginin kann auch eine positive Auswirkung auf dein Liebesleben haben. (Foto: Savs / unsplash.com)

L-Arginin hat sich in einigen Studien als ernsthafte Alternative zum viel kritisierten Sildenafil, ebenfalls ein PDE-5 Hemmer, das seit 1998 unter dem Namen Viagra verkauft wird, bewährt.

Sowohl die Medizinische Hochschule Hannover, als auch die Universität zu Köln konnten mit ihren Studien positive Effekte von L-Arginin nachweisen- und das ganz ohne Nebenwirkungen. Bei Viagra kann es dagegen zu Rötungen des Körpers, Kopfschmerzen, Verdauungsbeschwerden oder im schlimmsten Fall sogar eine Dauererektion kommen.

Außerdem ist deutlich davon abzuraten, Viagra nach Alkoholkonsum einzunehmen, da Alkohol das Blut verdünnt.

Ein weiterer Risikofaktor von Viagra ist, dass es, wenn nicht in einer Apotheke erworben, meist „gefälscht“ ist, also nicht die medizinischen Bestandteile besitzt, die Viagra besitzen sollte. Das kann dem Körper mehr schaden als nützen.

Fazit

L-Arginin ist ein echter Alleskönner. Ob verstopfte Blutgefäße, Diabetes-Beschwerden oder Erektionsstörungen – L-Arginin ist für die Stickstoffmonoxid-Herstellung notwendig und kann all diese physiologischen Probleme lindern.

Zudem hilft sie beim Muskelaufbau, weil die Gefäße erweitert werden, das Blut mehr Sauerstoff aufnehmen kann und somit deutlich später Erschöpfung eintritt. Die Aminosäure wird von unserem Körper selbst produziert und ist in vielen Lebensmitteln enthalten, die wir mehrmals in der Woche zu uns nehmen.

Trotzdem ist es nicht verkehrt L-Arginin Präparate als Nahrungsergänzung zu sich zu nehmen. Diverse Studien und Erfahrungsberichte auf Apotheken-Seiten oder Verbraucherportalen belegen, dass L-Arginin Einnahme die Lebensqualität erhöht. Und das Beste: Die Einnahme der natürlichen Substanz ist völlig ungefährlich und ohne Nebenwirkungen.

Weiterführende Literatur: Quellen, Studien und interessante Links

[1] https://www.medizin-transparent.at/arginin-gesundheitselixier-fuer-das-herz

[2] https://www.focus.de/gesundheit/experten/sommer/neue-studie-l-arginin-als-natuerliches-potenzmittel-das-auch-noch-das-herz-schuetzt_id_4039698.html

[3] https://d-nb.info/102149965X/34

[4] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/31279654

[5] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/31276533

[6] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/31269760

[7] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10233492

[8] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21784771

Bildnachweis: aihumnoi / 123RF

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